Dieser Blogpost beschreibt, wie eine unbedachte Frage eines Coaches Kund*innen ent-mächtigen und ihr aktuelles Erleben negativ beeinflussen kann und wie stattdessen mit lösungsfokussierten Fragen ihre Selbstwirksamkeit und ihre  Resilienz- und Copingfähigkeiten in den Mittelpunkt gestellt und gestärkt werden können.


Als Kurzzeit.Coach finde ich viele Fragen, die in traditionellen Coachingansätzen gestellt werden, alles andere als hilfreich. Aber es gibt eine Frage, die finde ich nicht nur nicht hilfreich, sondern unverantwortlich: „Was macht das mit Ihnen?“

Diese Frage gehört für viele Coaches offensichtlich zum standardmäßigen Repertoire und wird vor allem gerne dann gestellt, wenn Menschen von einem Problem berichten.

Diese Frage regt mich deshalb so auf, weil sie impliziert, dass es ETWAS im Leben der Kundin gibt, was ETWAS mit ihr macht. ETWAS, was aktiv auf sie einwirkt, dem sie offensichtlich passiv und hilflos ausgeliefert ist. Denn sonst könnte dieses ETWAS ja nichts mit ihr machen. Diese Frage katapultiert die Kundin in eine passive Opferhaltung und ent-mächtigt sie. Ihre aktiven Handlungsmöglichkeiten und Copingfähigkeiten in Bezug auf das Problem, werden ihr damit abgesprochen.

Handlungsmöglichkeiten und Stärken in den Mittelpunkt stellen

Alleine das ist schon fürchterlich. Als ein Kurzzeit.Coach würde ich niemals eine Frage stellen, die solche Implikationen hat. Ganz im Gegenteil. Ich würde immer und in jeder Situation versuchen, die Selbstwirksamkeit, also die eigenen und aktiven Handlungsmöglichkeiten und Stärken im Umgang mit dem Problem in den Mittelpunkt stellen.

Was mich aber fast noch viel mehr aufregt ist, dass Kolleginnen und Kollegen, die diese Frage ihren Kund*innen stellen, sich offensichtlich nicht darüber bewusst sind, was sie unmittelbar bewirkt und welche Konsequenzen sie hat. Fragen sind machtvolle Interventionen, die Aufmerksamkeit der Kundin auf etwas zu fokussieren. Als Coaches haben wir eine Verantwortung für die Fragen, die wir stellen.

Fragen fokussieren die Aufmerksamkeit auf das Erfragte

Das sollte jedem Coach bewusst sein und zwar bevor er fragt: „Was macht das mit Ihnen?“ Das ist nicht nur einfach eine Frage im Fragenrepertoire, es ist die Frage, die die Aufmerksamkeit der Kundin auf den schmerzhaften Teil der Erfahrung richtet, von der sie gerade berichtet. Auf Gefühle, die weh tun, auf Verletzungen, negativen Selbstzuschreibungen, auf ein Gefühl des Scheiterns, der Unfähigkeit oder der Hilflosigkeit.

Es ist unverantwortlich und an der Grenze des ethisch Vertretbaren, Fragen zu stellen, die auf solche Gefühle fokussieren und auch noch zu einer Erzählung (Narrativ) darüber auffordern.

Was ein Coach – unabhängige des methodischen Ansatzes, mit der er oder sie arbeitet – tun muss, ist, den Menschen in seinem Problemerleben zu würdigen und zu sehen. Und zwar sie lange wie nötig.

Fokus auf Selbstwirksamkeit und Resilienz

Um ihn dann aber unmittelbar und ohne Umwege einzuladen, auf seine Selbstwirksamkeit, Handlungsfähigkeit und Resilienz zu fokussieren. Hierzu bietet Kurzeit.Coaching eine Reihe von sehr hilfreichen und effektiven Fragen. Hier ein paar Möglichkeiten:

Wie haben sie es geschafft, mit der Situation (Problem) klarzukommen? Das war ja alles andere als einfach?

Auf welche ihrer Stärken und Talente konnten Sie sich im Umgang mit dem Problem verlassen?

Wer oder was ihnen dabei geholfen, diese für Sie problematische Situation zu meistern?

Wenn Sie das über eine andere Person hören würden, welche Kompetenzen würden Sie bei ihr vermuten?

Lösungsfokussierte Fragen

Das sind lösungsfokussierte Fragen, die das Problemerleben der Kundin würdigen und gleichzeitig ihre Selbstwirksamkeit, Stärken, Talente und aktiven Handlungsmöglichkeiten in den Fokus nehmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen in der Coachingwelt, ich möchte euch gerne daran erinnern, dass Ihr zu keinem Zeitpunkt in einem Coaching dazu verpflichtet seid, euren Kund*innen die Frage zu stellen: „Was macht das mit Ihnen?“ Keine Kundin, kein Kunde in einem Coaching  sollte in einer Problemsituation diese Frage gestellt bekommen. Hört einfach auf, sie zu stellen. Eure Kund*innen werden es sehr zu schätzen wissen.


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