Vom Kölnisch Wasser und der Guten Neuen Zeit!

Als ich Kind war gab es vier Sorten Schokolade: Zartbitter, Vollmilch, Nuss und weiße Schokolade. Es gab Sonntagskleider, zu Hause bekamen wir den ersten Fernseher und ich liebte die Bezaubernde Jeannie. Und zur Einschulung eine Schiefertafel, keine aus Kunststoff. Die Pubertät wurde begleitet von Prilblumen, aufblasbaren Trockenhauben und Sonntagsfahrverboten. In der Schule sahen wir ab und zu einen Film und berauschten uns am dem Geruch des Lösungsmittels der Matrizen. Nach dem Abi führte mich mein Weg zu KARSTADT, mit richtigen Schlussverkäufen, langen Schlangen vor dem Eingang und modernen Methoden der Aus- und Weiterbildung.

Overhead-Folien und ein Monstrum in Orange

Ich wurde Schulungsleiterin (so hieß das damals noch). Und ich war voller Begeisterung. Wir brauchten keine Tafeln mit quietschender Kreide und schäbigen Tafeltüchern. Wir hatten Tageslichtprojektoren (natürlich immer eine Birne in Reserve)! Die Overhead-Folien wurden nach Gebrauch abgewaschen und mehrfach benutzt. Oder wir arbeiteten mit Permanent-Stiften um die Folien wiederholt einzusetzen. Falls wir uns mal verschrieben, kein Problem: Die Flasche 4711 Echt Kölnisch Wasser gehörte zur Büroausstattung.

In der Konzeption von Unterricht dachten wir in drei Kategorien – kognitiv, affektiv und psychomotorisch. Oder wie die Reformpädagogen sagen: Lernen mit Kopf, Herz und Hand!

Und so führten wir auch Verhaltenstrainings durch, was damals auch immer mal wieder die Frage hervorbrachte, ob es uns überhaupt zusteht, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen. Wir taten es aber dennoch und hatten wirklich tolle Möglichkeiten: Eine Kameraausrüstung, ein Monstrum von Fernseher in einem ebenso monströsen rollbaren Schrank in einem kräftigen Orange, dazu gab es diese unvergessenen VHS-Videokassetten. Wir konnten aufnehmen, auswerten und auch weitere Lehrfilme mit einbeziehen. Herrlich!

Internet und so viel schönes neues Gedöns

Aber die Zeit der Möglichkeiten war noch lange nicht vorbei! Was hat sich seitdem alles entwickelt! Heute haben wir Laptops, Beamer, Internet, W-LAN, YouTube, Excel, PowerPoint, leistungsfähige Handys … Wenn ich auch dem ganzen Strahlengedöns nicht unkritisch gegenüber stehe, muss ich doch zugeben, dass ich diese Möglichkeiten für Coaching und Training grandios finde.

Videokonferenzen, über Kontinente hinweg, interne Knowledge-Plattformen, Webinare, Tutorials, Coachings… tolle Möglichkeiten um Wissen weiterzugeben, zu teilen und den Teilnehmenden ihre Arbeit und Aufgaben zu erleichtern.

Aber … (und ich gestehe, es hat etwas gedauert bis ich zum Punkt kommen, aber ich habe gerade so viel Spaß daran meine Vergangenheit mit Euch zu teilen)… aber irgendwas fehlte mir noch.

Geht ein Onlineseminar auch mit Gruppengefühl?

Mir fehlten die Möglichkeiten für Seminare, in denen es um Verhaltensänderung, Erweiterung von Handlungsspielräumen, Einüben neuer Verhaltensweisen geht. Kommunikationstrainings, Coachingausbildungen, Teamentwicklungsmaßnahmen… Die finden immer noch face-to-face statt. Aber ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich liebe es sehr mit den Teilnehmern persönlich zusammen zu kommen und mich auszutauschen.

Dieser Gedanke also, bis dahin eher theoretischer Natur und von mir auch nicht als allzu großer Mangel empfunden, hat sich aber durch die Auswirkungen der Corona-Krise verselbständigt. Er hat nicht nur mich, sondern das gesamte Bergfelder Team motiviert, uns hier weiter zu entwickeln. Eine ganze (mehrtägige) Ausbildung zum Coach, ein Team Building im Unternehmen; Themen, bei denen es nicht um in erster Linie um Kognitionen sondern um Emotionen geht. Solche Veranstaltungen ONLINE durchzuführen war die Idee und das Ziel. Geboren wurde unsere OnlineAusbildung zum Lösungsfokussierten (Online) Kurzzeitcoach. Natürlich hatten wir auch Fragen und Bedenken. Wie kriegt man das Gruppengefühl hin? Wie schafft man Gemeinschaft? Wie schaffen wir Raum für Arbeit in Kleingruppen und den Wechsel ins Plenum? Wie ersetzen wir das, was in der Online-Variante einfach nicht gegeben ist: Sich fühlen, persönliche Nähe?

Warum Online Ausbildungen funktionieren

Mittlerweile können wir sagen: Das geht! Die erste OnlineAusbildung ist fast abgeschlossen, die zweite beginnt in dieser Woche. Die TeilnehmerInnen sind begeistert und wir sind es auch. Schon am Ende des ersten Webinars, nach nur vier Stunden gemeinsamer Arbeit, waren alle überrascht und begeistert, wie schnell sich ein Gruppengefühl einstellt. Zwischendurch veranstalten wir kleine Einheiten zur Aktivierung, angeleitet von einzelnen Gruppenmitgliedern. Und Pünktlichkeit nach Beendigung einer Gruppenarbeit ist überhaupt kein Problem. Natürlich sind unsere TeilnehmerInnen ausnehmend diszipliniert, aber dank moderner Konferenztechnik werden sie auch immer zum vereinbarten Zeitpunkt in den Seminarraum gebeamt! Unser Fazit nach den ersten sechs Seminareinheiten: Ja, mit dem richtigen Konzept und der richtigen Technik sind auch Seminare möglich, die sich nicht allein auf Wissensvermittlung beschränken, sondern die auf Lernen im Bereich von Emotionen und Verhalten fokussieren! Und sie sind nicht nur möglich, sie sind auch sinnvoll.

Und ich persönlich bin fast berührt, wenn ich erlebe, was aus der guten, alten Schiefertafel geworden ist.

Cornelia Krabbe-Steggemann

 

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